Plädoyer für eine neue Kultur des Erinnerns

In den letzten Tagen erinnerte sich die Welt auf die immer gleiche Weise an das Ende des zweiten Weltkrieges. Es gab Gedenkveranstaltungen mit hochtrabenden Friedensworten, und es gab Militärparaden. Während in den befreiten Ländern das Erinnern an die Befreiung dominierte, galt der Haupttenor in Deutschland der Mahnung vor der Wiederkehr des faschistischen Völkermords. Viele Menschen in Deutschland, die so über Jahre und Jahrzehnte gemahnt wurden, wünschen sich ein Ende der Erinnerung, ein Ende des von ihnen so empfundenen Fingerzeigs auf Deutschland, und genau in diesen Kreisen blüht der neue Revanchismus auf. Will man ihn bekämpfen, brauchen wir eine neue, veränderte Kultur des Erinnerns.

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70 Jahre Kriegsende und die Reichsbürgerbewegung

Heute feiert man in Russland den Tag des Sieges, gestern beging man in ganz Europa den Tag der Befreiung. Durch Erzählungen meiner Familie bin ich mit dem zweiten Weltkrieg und seinem Ende recht vertraut, auch in meinem Gefühl. Deshalb will es mir nicht in den Kopf, dass es immer noch Menschen gibt, die sich das alte deutsche Reich zurückwünschen. Daher habe ich vor ein paar Tagen für den Ohrfunk folgenden Kommentar geschrieben.

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10 Jahre Wa(h)renhaus und es geht weiter

Liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs,

heute sind es genau 10 Jahre, dass diese Seite, damals noch unter dem Titel „mein chaotisches Webtagebuch“, ans Netz ging. 660 Artikel habe ich seither veröffentlicht, aber in den letzten Jahren wurden es stetig weniger. Rund 80000 Besucher hatte das Blog während der letzten 10 Jahre, ergab eine Hochrechnung, die allerdings nicht besonders sicher ist. Einige Leserinnen und Leser halten diesem Blog seit 10 Jahren die Treue, und dafür bedanke ich mich sehr herzlich. Ihr, die ihr dieses Blog immer noch lest, seid der Grund dafür, dass ich auch immer noch schreibe.

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Medien- und Hörerschelte

Der folgende Beitrag wurde bereits am 31. März 2015 als Kommentar beim Ohrfunk veröffentlicht.

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Franz-Josef Hanke zum 60. geburtstag

Seit gut 17 Jahren kenne ich Franz-Josef Hanke, den unermüdlichen Bürgerrechtler, Journalisten, Autor, Blogger und Menschenfreund. Heute wird er 60 Jahre alt.

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Die Natur schaltet einen Gang runter, aber die Menschen nicht

Heute ist Frühlingsanfang, oder so ähnlich. Die sympathische junge Frau mittleren Alters, mit der ich mein Leben verbringe, hat Geburtstag, und eine partielle Sonnenfinsternis gibt es auch noch zu sehen. Nur zu sehen? – Wir wollen es genau wissen.

Morgens halb 10 in Deutschland, genauer in Marburg. Es ist der Moment, in dem die Sonne angefressen zu werden beginnt. Jackenbewehrt begeben wir uns auf den Balkon und setzen uns in die warme Sonne. Die Menschen arbeiten und plaudern, die Autos fahren, die Vögel singen. Was aber wird gleich geschehen? Gleich, wenn die Sonne fast vollständig verschluckt wird?

Eine viertel Stunde später haben wir den Eindruck, dass die Sonne irgendwie kleiner geworden ist, die Strahlkraft nimmt ab, aber weder Menschen noch Vögel kümmern sich darum. Die einen arbeiten, die anderen tirilieren weiter. Auch wir sind noch ganz normal, vielleicht ein wenig gespannt, aber nichts sonst.

Ich erinnere mich an die Sonnenfinsternis 1999, als ich draußen vor meinem elterlichen Haus in Solingen stand und erahnte, wie es dunkler und dunkler wurde, bis nur noch ein Dämmern übrig war. Die Natur war irritiert, die Menschen fasziniert. Wie würde es wohl heute sein?

Irgendwann bemerken wir eine subtile Veränderung. Einige Vögel werden leiser, andere melden sich seltener, ein kälterer Wind kommt auf, die wärmenden Strahlen der Sonne verschwinden mehr und mehr, aber nicht so, als ginge sie unter. Dieses Verblassen der Wärme ist anders als abends, und auch anders als wenn sich Wolken vor die Sonne schieben. Es ist langsamer, größer. Die Menschen scheinen gerade jetzt mehr Geschäftigkeit zu entfalten. Autos stehen mit laufendem Motor an der Straße, die Baustelle lärmt mehr, der Verkehr nimmt zu. Oder nimmt nur unsere Sensibilität zu, während sich die Sonne vorübergehend abwendet?

Die junge Frau mittleren Alters hört gegen halb elf die Amseln leise singen. Abendstimmung? Gute-Nacht-Lieder? Unbeeindruckt arbeiten die Menschen, überspielen die Stille hinter der Stille, wie meine spirituelle Frau es ausdrückt, eine Bezeichnung, der ich nur vollkommen zustimmen kann. Die Natur wird stiller, verstummt nicht ganz, wie auch die Sonne nicht ganz verschwindet. Sie bleibt, doch ein Gefühl unnatürlicher Verlassenheit ist spürbar. Das freundliche, warme Licht des Frühlings blinzelt kurz, und für uns ist es eine kalte halbe Stunde.

20 Minuten vor 11, als der dunkelste Punkt erreicht ist, fahren viele Autos, dröhnen große Maschinen von der Baustelle, nur wir sind vollkommen still und nehmen die Stille in uns auf, die trotz allem da ist. Und mehr gibt es nicht zu sagen.

Später dann, als nach einer knappen viertel Stunde die ersten spürbaren Strahlen zurückkehren, meldet sich laut eine nahe Meise. Sie begrüßt die Sonne, und wir begrüßen sie auch. Wie freuen wir uns über die Strahlen, die Wärme, die Freundlichkeit der Natur. Wir haben sie nicht lange missen müssen, und wir waren fasziniert von ihrer Abwesenheit, und doch haben wir sie vermisst.

Es war ein wunderschöner, spiritueller, faszinierender, interessanter Morgen.

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Hart am Rande des Verfassungsbogens oder: Ich bin ein Linksradikaler, und das ist auch gut so

Ich bin linksradikal, und das ist auch gut so. – Für viele von Ihnen, die Sie in den letzten Jahren meine Texte gelesen und meine Rundfunkbeiträge gehört haben, könnte dieser Text hier schon zu Ende sein. Ja, Stimmt, werden Sie sagen und denken, dass dies aber ein kurzes Statement gewesen sei.

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Schlage nie! nie!! nie wieder!!! eine Zeitung auf!!!

Inzwischen ist geschehen, was ich niemals für möglich gehalten hätte: Ich habe keine Lust mehr, Nachrichten zu lesen. Jahre und Jahre habe ich mir gewünscht, wo und wann ich will umfassend informiert zu werden, und das Internet erfüllte mir diesen Wunsch. Aber jetzt vergeht mir die Freude daran.

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Hat der ukrainische Waffenstillstand eine Chance?

Den folgenden Beitrag habe ich bereits am 18. Februar für den Ohrfunk geschrieben; Leider vergaß ich, ihn auf diesem Blog zu veröffentlichen, was ich aus Dokumentationsgründen hiermit nachhole.

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Ende eines langen Jahres

Ich sitze hier und genieße die letzten zwei Stunden meines Geburtstages. Im Rheinland ist Altweiberfastnacht, und ich warte auf morgen. Denn morgen ist der Anfang vom Ende meines Jahres.

Mein Jahr 2014 hat 420 Tage, und es endet am 15. Februar 2015 vermutlich so gegen 18 Uhr. Das kommt euch seltsam vor? Nun ja: Von eurem Standpunkt aus kann ich es verstehen, und auch für mich ist es nicht völlig normal. Normalerweise haben meine Jahre ungefähr so viele Tage wie eure Jahre, aber manchmal kommt eben etwas dazwischen.

Seit fast 30 Jahren haben meine engsten Freunde und ich eine gemeinsame Hitparade. Ein interessantes Hobby, man lernt viel Musik aus allen Teilen der Welt kennen. Woche für Woche gibt jeder von uns, wir sind 8 oder 9 Leute, eine persönliche Top 10 ab, und daraus errechnet ein Computerprogramm, das einer unserer Freunde geschrieben hat, eine gesamtliste. Normalerweise treffen wir uns immer am dritten Advent zur Jahresauswertung und zum gemeinsamen Jahresausklang. Das dreißigste Jahresfest war also für Mitte Dezember 2014 geplant. Doch zwei Freunde von uns, die in Hamburg leben, erwarteten ein Kind, das dann einen Tag vor dem vierten Advent geboren wurde. Deshalb entschieden wir uns, das Jahresfest 2014 auf Mitte Februar 2015 zu verlegen. Aber für diesen verschworenen Kreis enger Freunde ist das Jahr nicht zu Ende, wenn das Jahresfest noch nicht stattgefunden hat. Deshalb ist mein Jahr diesmal länger. Für uns ist dieses Treffen der Höhepunkt des Jahres, an dem wir uns von unseren wichtigsten Erlebnissen berichten, miteinander trauern und genießen, miteinander weinen und lachen.

Schon früh beginnt die Planungsphase, wenn irgendjemand die Ausrichtung übernimmt. Wir legen fest, wo das Fest stattfindet, über eine gemeinsame Kasse werden dann die Einkäufe getätigt, denn 8 Leute wollen drei Tage lang versorgt werden, ein Hund ebenfalls, und man muss ja auch, wie jetzt in Hamburg, irgendwie hin und zurück kommen und übernachten. In unserer Mailingliste häufen sich die organisatorischen Mails, kleine Andeutungen über die Jahreshitparade gehen hin und her und machen neugierig. Was dann an diesen drei Tagen geschieht, habe ich in meinem Hauptblog vor 4 Jahren einmal so beschrieben:

„Am Freitag vor dem Fest stehen die Räder in unseren normalen Leben plötzlich still. Wer von uns in einem festen Arbeitsverhältnis lebt, hat sich längst für diesen Tag und den folgenden Montag Urlaub genommen, meistens jedenfalls. Gegen Abend versammeln wir uns endlich bei kleinen Knabbereien, um uns in aller Ruhe zu begrüßen und erste Erlebnisse auszutauschen. Im Hintergrund läuft Musik, die es nicht unter die Top 25 unserer Jahresliste geschafft hat. Bei dieser Gelegenheit setze ich die Bowle an: Pfirsiche, Zucker, Weinbrand, Spätlese. Am nächsten Tag wird sie aufgefüllt und vollendet werden. Aus Hamburg, Wuppertal und Marburg kommen wir zusammen, um unser persönliches Jahr gemeinsam zu beschließen.

Was dann an den kommenden zwei Tagen geschieht, beschreiben wir immer als „Weihnachten und Silvester an einem Tag“. Und so ist es auch. Am Samstagmorgen treffen wir uns schon früh, Um 9 Uhr erklingt das Lied „Arrival“ von ABBA, und danach die Toccata von Sky. Damit beginnt offiziell unsere Jahreshitparade. An diesem ersten Tag spielen wir die Plätze 25 bis 11, und jede und jeder hat die Gelegenheit, von den ersten drei Quartalen des Jahres zu erzählen. Da werden fröhliche Erinnerungen ausgetauscht, da wird auch hin und wieder über Trauriges geweint, man unterhält sich über kleine lustige Anekdoten, ebenso wie über große bedeutende Ereignisse. Zwischendrin machen einige einen Spaziergang mit dem Hund, Andere kümmern sich ums Essen, ich vervollständige die Bowle. Später erklingen Lieder, mal laut und schmetternd, mal leise und eindringlich, immer mit eigener Stimme gesungen. Manchmal haben sie etwas mit Weihnachten zu tun, manchmal aber auch nicht. Ein Lied wie „Süßer die Glocken nie klingen“ kann auch für Nichtchristen eine erhebende Erfahrung sein, wenn es in feierlicher Stimmung von einem kleinen, fürs Leben verschworenen Kreis lieber Menschen gesungen wird.

Meist endet der Hitparadenteil des Tages mit dem Lied „Martins ganz einsame Weihnachten“ von Dieter Krebs. Dann essen wir und trinken die Bowle, die ich gemacht habe. Der späte Hundespaziergang beendet den ersten Tag.

Und der zweite ist ganz ähnlich: Er beginnt oft mit „There’s a River“ von Steve Winwood, aber die Ausrichter können sich das natürlich aussuchen. Wieder spricht man über den Rest des Jahres, hält eine Gesamtrückschau ab, unterhält sich, teilt Freud und Leid und genießt die Top 10 des jahres. Was wohl in diesem Jahr unser großer Hit sein wird? Das Schöne an dieser Hitparade ist, dass Jeder alles wählen kann. Da findet man Klassik neben Hardrock, Schlager der siebziger und achtziger Jahre neben Musik aus Brasilien, Spanien, Afrika, den Niederlanden und vielen anderen Ländern. Diese musikalische Vielfalt gefällt uns an unserer eigenen Hitparade, denn wir öffnen uns gegenseitig Türen zu vielseitiger Musik, und in so manchem Fall dadurch auch zu anderen Kulturen und Lebensweisen.

Und mit einem Mal ist es geschehen. Der Platz 2 ist gespielt, wir haben das Jahr in Kurzform noch einmal durchlebt. Mit unserer tätigen Mithilfe haben die Ausrichter das Essen auf den Tisch gebracht, nachher den Abwasch erledigt und für gute Stimmung gesorgt. Dann beginnt der von uns so genannte „traditionelle Teil“ des Jahresfestes. Er ist immer gleich: Zuerst ertönt ein Teil der Wassermusik von Georg Friedrich Händel, währenddessen gibt der Ausrichter den Jahressieger der Hitparade bekannt. Manchmal kann man ihn erraten, wenn man die Wochenlisten einigermaßen verfolgt hat. Aber es gibt eigentlich jedes Jahr Leute, die keine Ahnung haben, welches Lied es denn sein wird, und für die es eine Überraschung ist. Nach der Verkündung wird das Lied gespielt. Und während es erklingt stellen die Ausrichter auf dem Tisch, um den wir sitzen, die mit Likör gefüllten Gläser bereit. Sobald unser Platz 1 verklungen ist, wird das Lied „Happy new year“ von ABBA gespielt, und wir erheben uns, stoßen miteinander an und begrüßen das neue Jahr.

Ja, für uns beginnt in diesem Moment das neue Jahr. Weihnachten und Silvester waren in diesen zwei Tagen, und wenn wir vom 25. Dezember oder vom 31. Dezember sprechen, nennen wir es oft das „Kalenderweihnachten“ oder das „Kalendersilvester“. Ich für meinen Teil muss manchmal aufpassen, in Gesprächen mit anderen Menschen nicht zu behaupten, das neue Jahr habe schon angefangen. Das hat nichtts mit einem Spleen zu tun. Sondern das geschieht, weil ich die inttensive Erfahrung, die man mit Weihnachten und dem Jahreswechsel verbindet, tatsächlich bereits hinter mir habe, genau wie meine Freunde. Konsequenterweise dürfen ab der Woche nach der Jahreshitparade bei uns auch wieder Einzellisten eingereicht werden, die dann aber schon für das Folgejahr gelten, obwohl immer noch Dezember ist. Diese Tage um den dritten Advent sind für uns der Höhepunkt und Abschluss des Jahres.

Oft empfinden wir große Erleichterung und Freude in diesen Stunden, so gegen 18 Uhr am dritten Advent, wenn „Happy new Year“ verklungen ist. Wir unterhalten uns über unsere Ideen für das begonnene Jahr, wir singen gemeinsam ein Lied, dann läuft „Töne sind verklungen“ von Peter Maffay aus „Tabaluga und das leuchtende Schweigen“. Und mit der Toccata endet unser Jahresfest, wie es knapp 2 Tage zuvor begonnen hat.

Was immer uns in unserem Leben geschieht, dieses gemeinsame Wochenende gibt Kraft und Freude. Viele Jahre lang hat uns das Lied „Der Turm“ des vor 3 Jahren verstorbenen Ludwig Hirsch begleitet. Den Text dieses Liedes haben wir immer gern gehört, und ein wenig haben wir uns in ihm gefunden:

„Ich weiß noch genau, ich war vielleicht 5 Jahre alt, da hab ich mir von Mutter einen Strumpf über den Kopf gezogen, bin damit runter zur Milchfrau und hab gebrüllt: „Fruchtjogurt oder Leben“. Sie haben mich zur Strafe den ganzen Tag in mein Zimmer gesperrt, die Vorhänge zugezogen, die Glühbirne aus der Fassung geschraubt und mich mit der Dunkelheit und einer Fliege, die da irgendwo zwischen Vorhang und Fenster herumlärmte, allein gelassen. Und ich hab mich hingesetzt und begonnen, aus meinen Träumen einen Turm zu errichten, einen Turm, bis zum Himmel hoch. Und ich und meine Freunde, der Franz, der Jakob, der Thomas und auch die kleine Hilde, wir liefen durch die Straßen und riefen alle Kinder der Welt zusammen und luden sie ein, mit uns in den Turm zu ziehen. Ja und das taten sie dann auch. Und wir sprachen alle die gleiche Sprache, lebten frei und glücklich, bis zum Himmel hoch, und niemand konnte uns stören dabei, denn vor dem großen Eingangstor war eine gewaltige, feuer speiende Fliege postiert, die uns beschützte. Und ich weiß noch genau, plötzlich polterte mein Vater ins Zimmer mit seinen schwarzen, schweren Schuhen, die er immer trug. Er riss die Vorhänge auf, schraubte die Glühbirne in die Fassung, erschlug die Fliege und rief: „Ausgeträumt, mein Sohn, raus!“. Da fiel mein Turm in sich zusammen, und alle Kinder der Welt waren wieder wie auf einen Schlag über die ganze Erde verstreut, und keiner verstand mehr die Sprache des Anderen. Und ich ging runter auf die Straße, traf dort den Franz, den Jakob, den Thomas und die kleine Hilde und erzählte ihnen meine Traumgeschichte. Und an diesem Nachmittag beschloss der Franz, nicht Verhaltensforscher, sondern Ziegelhersteller, der Jakob nicht mehr Astronaut, sondern technischer Zeichner zu werden, der Thomas beschloss, Architektur zu studieren, die kleine Hilde wollte sowieso immer Maurer lernen, und ich beschloss, ganz einfach Träumeerzähler zu werden. Und wir schworen uns hoch und heilig: Bald, sehr bald bauen wir uns einen Turm, einen Turm bis zum Himmel hoch.““

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