Aus meinem Privatblog: Ach wär‘ doch ein normaler Tag

Eigentlich habe ich den folgenden Text für mein Privatblog gedacht, weil er persönlich sein sollte. Ich stelle aber Fest, dass er sich auch für dieses Blog eignete. Es hat sich so entwickelt:
Ach wär‘ doch ein normaler Tag.

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Lesebefehle

Ich würde gern so viel sagen und schreiben, aber es wird wohl noch ein wenig dauern, bis ich wieder Worte finde. Bis dahin habe ich hier absolute Lesebefehle für euch. Natürlich sind auch Kommentare erlaubt.

Sven Scholz erklärt, warum er wenig Geduld mit sogenannten besorgten Bürgern hat, und ich stimme ihm zu.

Sascha Lobo glaubt, ein Mittel gegen Hass im Netz gefunden zu haben, und ich hoffe, dass er recht hat.

Sibylle Berg zeigt, wie die Medienpanik die Menschen panisch macht, und ich wünsche mir objektive und informierende Medien.

Tante Jay bleibt ruhig und berichtet über das Fischen der Politik im braunen Sumpf. Ich möchte nur noch wegrennen.

Ihr seid weder das Volk, noch tatsächlich besorgte Bürger, stellt Mia fest, die selbst Flüchtling war. Dem kann ich nur zustimmen, und ich hoffe, dass viele Menschen diesen Text lesen.

Im GedankenSafe wird den sogenannten besorgten Bürgern bescheinigt: Ihr seid nicht das Volk. Und es wird eindrucksvoll belegt, ohne selbst hassend oder zynisch zu werden. Wer die Situation verstehen will, muss diesen Beitrag lesen!

Es sind nur wenige Beiträge, die ich besonders gut fand. Da sind Menschen, die ihre Sprache noch nicht verloren haben. Möge es dazu führen, dass wir nicht nur die Sprache, sondern auch die Tatkraft wiederfinden.

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Das Leben ist endlich und einmalig

Jetzt, da ich hier sitze und diesen Text zu schreiben beginne, weiß ich noch nicht, ob ich ihn veröffentlichen werde oder nicht. Wenn ihr, liebe Leser, diesen Text also lest, wisst ihr schon, im Gegensatz zu mir jetzt, dass ich mich für die Veröffentlichung entschieden habe.

Es ist einer dieser Abende, an denen ich weiß, warum ich ein Privatblog habe. Im Hasten des Alltags komme ich kaum dazu, intensive, tiefe Gedanken zu denken, Gedanken, die sich nicht so sehr mit aktuellen Themen befassen. Aber an so einem Abend wie heute fällt es ganz leicht.

Es ist wohl, weil ich allein bin. Meine Liebste ist auf einem Seminar wo es um faire und erfolgreiche Kommunikation für Führungskräfte geht. Und eben saß ich hier, wie oft am ersten Abend, wenn ich allein bin, und dann habe ich mir vorgestellt, irgendetwas würde passieren und ich würde allein bleiben, meine Liebste käme nicht zurück. Es wäre nicht der erste Verlust meines Lebens, aber es wäre der heftigste, den ich mir vorstellen kann. Mein ganzes, mühsam geordnetes Leben würde zusammenbrechen. Ich würde allein aufwachen, müsste mit dem Alltag allein fertig werden und würde allein einschlafen. Nun könnt ihr zurecht sagen, dass jeder in dieser Gefahr lebt. Aber für mich wäre es die denkbar größte Katastrophe, die es in meinem Leben geben könnte, und ich habe schon einige Katastrophen hinter mich gebracht. So gern ich die Möglichkeit eines solchen Unglückes wegschiebe, es kommt mir immer wieder in den Sinn und macht mir eines klar: Das Leben ist endlich, und ich habe nur eines davon.

Einige von euch mögen jetzt vielleicht einen religiösen Gedanken haben. Ich verstehe und akzeptiere es, aber religiöse Gedanken an das Jenseits oder so etwas spielen für mich keine Rolle. Ich kann daran nicht glauben, also kann es mich nicht trösten, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es viele Menschen trösten kann, und ich wünsche ihnen, dass sie sich diesen Schatz bewahren können. Dieser Text aber hat nichts mit Religion zu tun.

Das Leben also ist endlich und wir haben nur eines davon. Und es zieht so schnell vorbei. Eben noch saß ich mit meinen Eltern auf der Terrasse unseres Häuschens im niederländischen Heelderpeel, schon ist das haus abgerissen, die Eltern Tod und ich selbst mehr als 25 Jahre älter. Eben noch war mein Bruder 43 Jahre alt und starb, jetzt bin ich schon 46, und 23 Jahre sind seither vergangen, ein halbes Leben. Und ich habe meinen Bruder damals für alt gehalten. Aufhalten lässt sich die Zeit nicht, sie ist unbezwingbar, so sehr wir gegen sie ankämpfen, und so sehr wir gegen sie anfeiern oder sie zu ignorieren versuchen. Irgendwann wird einer von uns, Meine Liebste oder ich, diesen Schmerz des Verlustes des Anderen erleben müssen, einer wird damit leben müssen, das ist bereits jetzt absehbar, auch wenn es nicht vorstellbar ist. Wichtig ist, dass uns das trotzdem nicht daran hindern sollte, das Leben zu genießen, denn wir haben nur eines, und das ist endlich.

Ich sagte es schon: Für mich ist dieses Leben, das ich führe, für das ich dankbar und glücklich bin, mühsam aufgebaut. Von Natur aus ein eher unsicherer Mensch, neige ich oft dazu, angefangene Projekte hinzuschmeißen, mich abschrecken zu lassen, meine Position nicht zu verteidigen. In größeren Menschengruppen fühle ich mich selten wohl, obwohl ich gern grille und feiere und singe, aber dann müssen es vertraute Menschen sein. Das Leben zu genießen, es einfach mitzunehmen, fällt mir nicht leicht. In allem sehe ich eine Aufgabe, und schnell bin ich davon überzeugt, etwas falsch gemacht zu haben, wenn es um Kontakt mit anderen Menschen geht. Darum ist jeder Tag, an dem ich meine Pflicht gegenüber dem Ohrfunk erfülle, und sei meine Lust noch so gering, ein Gewinn, ein Sieg. Seit 10 Jahren habe ich dieses Projekt nicht hingeworfen, hat mich keine große depressive Stimmung heimgesucht, ist niemand gestorben, der mich dann aus der Bahn geworfen hätte. Seit 10 Jahren lebe ich stabil vor mich hin und weiß: Dieses Leben, wie ich es lebe, hat einige Macken, ich könnte mir Verbesserungen vorstellen, aber ich stehe hier und falle nicht um. Weil ich mich und meine Schwächen kenne, macht mich das stolz. Und es führt dazu, dass ich mir des Glücks, in dem ich lebe, bewusst bin. Ich habe meine Sorgen, vieles am alltag fällt mir schwer, ich bin nicht für den ersten Arbeitsmarkt geschaffen und so weiter, aber entgegen mancher früheren Tage, Wochen, Monate und sogar Jahre geht es mir richtig gut.

Das Leben ist endlich, und wir haben nur eines. Das verlangt Achtsamkeit. Nur in einer Gemeinschaft, die achtsam miteinander umgeht, kann der Einzelne das Beste aus seinem Leben machen. Und jeder, der will, dass er die Chance erhält, sein Leben zu genießen, es zu bereichern oder lebenswert zu gestalten, verlangt von seinem Umfeld eben diese Achtsamkeit. Dann müsste es ja auch selbstverständlich sein, dieselbe Achtsamkeit den Mitmenschen zukommen zu lassen. Wir wissen alle, dass viele Menschen das nicht tun. Aber in diesem einmaligen, endlichen Leben kann jeden von uns einmal ein Schicksalsschlag treffen. Dem einen Stirbt der oder die Liebste, dem anderen brennt die Wohnung vollständig aus, der dritte muss fliehen, weil er homosexuell ist, der vierte wird von seiner Regierung verfolgt, weil er die falsche Religion hat. Von Achtsamkeit für das eine, einmalige, kurze Leben ist weit und breit nichts zu sehen.

Ich für meinen Teil schreibe, versuche die Achtsamkeit durch das Wort zu erbringen. Natürlich kritisiere ich dabei heftig: amtsträger, Staaten, Organisationen, Entscheidungen, Entwicklungen und ganze Gruppen, auch einzelne Menschen in bestimmten Zusammenhängen. Aber das ist es auch. Ich kritisiere sie, möchte aber auch ihnen mit Achtsamkeit begegnen, möchte ihnen nicht das Leben in der Weise schwerer machen, wie ich es auch nicht schwerer haben möchte. Ich möchte mich für eine Gesellschaft einsetzen, in der jeder Mensch so geachtet wird, dass er sein einmaliges, kostbares Leben ausgestalten kann.

Als Hartz-IV-Empfänger in Deutschland gehöre ich sicher nicht zu den Privilegierten, und ich prangere die Ungerechtigkeit auch immer wieder mal an. Aber nie würde ich verkennen, dass ich das aus einer Luxusposition heraus tue. Ich habe eine Wohnung mit Waschmaschine, warmem Wasser, einem großen Bett mit Bettzeug, genug und oft zu viel zu essen, Kaffee, einen Computer, Internet, CD’s, bin, wenn auch nicht gegen alles, krankenversichert, habe eine wunderbare Frau, kann, wenn auch zunehmend mit mehr Unbehagen, meine Meinung frei äußern und muss mir höchstens die schwere Frage beantworten, ob ich heute die Salami- oder die Thunfischpizza essen will. Natürlich kann ich nicht alles haben, was ich mir in meinen Träumen wünsche, aber es ist niemandes persönliche Schuld, dass es so ist, oder wenn doch, dann richtet jedenfalls niemand seine Maßnahmen und seinen hass gegen mich persönlich. Dessen bin ich mir immer bewusst: Ich habe diese Achtsamkeit in meinem Leben erfahren, trotz schrecklicher Todesfälle, vieler Depressionen, trotz des Zerfalls meiner geliebten Familie. Und übrigens: Niemand kann sich alle seine Träume erfüllen.

Wenn ich heute die Hassdemos vor Flüchtlingsheimen sehe, frage ich mich: Was wollen die eigentlich da? Denen geht es doch genau so gut wie mir? Wovor haben die Angst? Vor der Zukunft? Nun: Vermutlich wird man ihnen in Zukunft auch den Kopf nicht abschlagen, und genug zu essen und zu trinken werden sie auch haben, wenn 100.000 oder sogar 1.000.000 neue Menschen ins Land kommen. Teile der Industrie werden dabei sogar profitieren. Warum verweigern sie anderen die Möglichkeit, ihr Leben zumindest lebenswert zu gestalten, die sie selbst doch haben? Die ganze Zeit über?

Das Leben ist einmalig und endlich, und es ist kurz. Am Abend ist wieder ein Tag verstrichen. Entweder man fragt sich dann: Habe ich ihn gelebt? Oder man schiebt den Gedanken weg und freut sich an kleinkarierten Triumphen. Wird das Leben besser, wenn man mehr Waschmaschinen, mehr Autos und mehr Smartphones hat?

Mir fällt gerade so ein altes Klischee ein, dass nämlich arme Menschen am freigiebigsten sind. Vielleicht ist das so, weil sie sich jeder Kleinigkeit, die sie in diesem endlichen, einmaligen Leben besitzen, viel mehr bewusst sind, und weil sie die anderen Menschen mit denselben Augen sehen. Aber das nur am Rande.

Fragt sich jemand, was ich in dem ganzen Wust meiner Gedanken eigentlich sagen will? Wer andere hasst und nur so sein Leben aufwerten kann, der weiß und begreift nicht, wie viel Wert es schon an sich hat. Die Flüchtlinge selbst, die zu uns kommen, die begreifen diesen Lebenswert, schließlich haben sie unendliche Strapazen auf sich genommen, um ihr Leben zu retten. Viele hier in Deutschland gehen jedenfalls mit ihrem einmaligen, kurzen Leben ganz anders um.

Hoppla, jetzt habe ich doch aktuelle Themen gestreift, aber das blieb ja nicht aus, weil es mich beschäftigt, was Menschen hier in Deutschland dazu bringt, andere Menschen so zu hassen. Das ist aber nicht das Einzige, was mir zum Thema Achtsamkeit für das eigene Leben und damit auch für das Leben anderer Menschen einfällt. Ich frage mich, wie ich wohl auf mein Leben kurz vor meinem Tod zurückblicken werde. Mit Bedauern? Vielleicht, weil ich einige Dinge nicht erreicht habe, die ich erreichen wollte? Nun, das wird jedem so gehen, und mehr als ein kurzes Bedauern ist da auch nicht zu erwarten. Aber in anderer Hinsicht werde ich mich fragen, was ich aus meinem Leben gemacht habe. Werde ich mich zu viel mit sinnlosem beschäftigt haben? Habe ich die anwesenheit anderer Menschen, den größten Schatz, den ein Mensch haben kann, auch genügend zu würdigen gewusst? Ich weiß schon, dass ich da nicht ganz zufrieden mit mir sein werde. Die Frage: Was hätte ich aus diesem Leben mit seinen Möglichkeiten machen können, und ich meine nicht die Karriere, die man ohnehin nicht mit ins Grab nimmt, sondern Dinge, die zufrieden machen, diese Frage werde ich mir stellen. Habe ich das Leben gelebt, genossen, und zwar so, dass von diesem Genuss noch etwas zu spüren ist, dass er also eine gewisse Dauer vermittelt hat? Niemand hat unendlich viel Zeit, und die Kunst des Lebens ist es vermutlich, sich dessen immer bewusst zu sein, ohne dass es Druck macht.

Ich sitze hier an einem ruhigen Abend, an dem ich allein bin. Es ist ein Moment, in dem ich das Leben bewusster wahrnehme als sonst oft. Dann nehme ich mir vor, ab jetzt besser aufzupassen, aufmerksamer zu sein, sanftmütiger mir und allen Anderen gegenüber. Eine Weile wird es gehen, dann wird mich irgendeine volle Woche, irgendein unvorhergesehenes Ereignis doch aus der Bahn werfen. Vielleicht nicht lange, aber immerhin lange genug, um nicht bewusst an den heutigen Abend und seine Erkenntnisse zu denken. Aber ich werde meine Pflichten jeden Tag erfüllen, Pflichten, die ich mir ausgesucht habe, die mir nicht immer spaß machen, die ich aber eingegangen bin, und wenn ich sie erfüllt habe, werde ich zufrieden sein. Wieder ein Sieg. Ein Sieg für Zuverlässigkeit und Achtsamkeit, schließlich verlassen sich Menschen auf mich, die auch ihr Leben haben, dass es verdient, geschätzt und gepflegt zu werden. Und bestimmte Dinge werde ich hoffentlich nie tun: Hassen, grundlos neidisch sein, Würde und Recht meiner Mitmenschen missachten. Das ist für mich so wichtig wie die Arbeit für den Ohrfunk.

Wenn ich an so einem einsamen ersten Abend meiner sturmfreien Bude hier sitze und nachdenke, dann kann es geschehen, dass ich mich frage, was wohl geschehen würde, wenn ich durch irgendein Unglück jetzt allein bliebe. Wieviele Menschen würden mir die Achtsamkeit entggegen bringen, die ich brauchen könnte? Ich hoffe, es wären einige. Nur in einer achtsamen Gemeinschaft lässt sich ein gutes Leben entfalten, denn es ist endlich und einmalig.

Und jetzt? Schicke ich diesen Text ab? Es ist eher ein sammelsurium als ein gut organisierter Beitrag. Aber ich schreibe ja auch für ein Privatblog und nicht für eine große Zeitung oder so. Also gut: Enter!

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Aufstand der Anständigen – Über Heinrich Schmitz und Anja Reschke

Bei Touristen und Flüchtlingen ist Deutschland sehr beliebt. Wenn meine Frau von der Arbeit in einer Flüchtlingsunterkunft berichtet, dann erzählt sie von Kindern, mit denen man spielt und die einige glückliche Stunden haben, von Menschen, die mit Feuereifer die Worte „guten Tag“ und „Aufwiedersehen“ üben und einsetzen. Gleichzeitig aber fragt mich eine befreundete Journalistin mit türkischen Wurzeln, wo sie denn hin solle, wenn sie sich hier, in ihrem Zuhause, nicht mehr wohlfühle. Im Netz und auf der Straße nehmen die rassistischen und menschenverachtenden Straftaten erschreckende Ausmaße an, und eine ARD-Reporterin ruft zum „Aufstand der Anständigen“ auf. Dem kann ich mich nur anschließen, und so berichte ich über Heinrich Schmitz und Anja Reschke.

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Ein Abgrund von Demokratieverrat

Ich muss zugeben, ich bin zutiefst erschüttert über die Ermittlungen gegen die Blogger von Netzpolitik.org wegen Landesverrats. Nie zuvor habe ich in der Bundesrepublik Deutschland eine so offensichtliche, unhaltbare und rechtswidrige Einschüchterung und Beeinträchtigung der Pressefreiheit und der freien Meinungsäußerung erlebt. Geheimdienste, Justiz und Regierung gehen unter den Augen der Öffentlichkeit gegen die Bürgerrechte vor, wie man es vielleicht in Russland erwarten könnte, aber nach der Spiegelaffäre im Jahre 1962 nicht mehr in Deutschland. Dabei gibt es immer noch Menschen, die der Meinung sind, die Betreiber von netzpolitik.org hätten sich tatsächlich strafbar gemacht, indem sie Staatsgeheimnisse offenbart hätten. In vielen unterschiedlichen Beiträgen im Internet wird dem widersprochen. Ich möchte versuchen, diese Argumentation allgemein verständlich zusammenzufassen, um zu verdeutlichen, dass hier ein massiver Angriff gegen unsere Bürgerrechte vorliegt.

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Mittwochsrunde zum hören

Vor ein paar Monaten schrieb ich an dieser Stelle über die Mittwochsrunde, in der Franz-Josef Hanke, Dr. Eckart Fuchs und ich über Themen der Weltpolitik plaudern, aber auch über die Gesellschaft, die Religion, über Behinderung, technischen fortschritt, Bürgerrechte, Philosophie, den Karnevall und vieles mehr. Auf diesen Beitrag hat es einiges an Reaktionen gegeben, auch in diesem sonst eher wenig besuchten Blog. Vor einem Monat kam mir dann die Idee, aus der Mittwochsrunde einen Podcast zu machen, einfach indem ich unsere Gesprächsrunde aufzeichne und das Beste daraus veröffentliche, damit unsere Hörerinnen und Hörer praktisch mit uns am Tisch sitzen können. Natürlich haben wir nicht den Anspruch,
überdurchschnittlichen Erkenntnisgewinn zu vermitteln, aber man kann drei Menschen zuhören, die sich ihre Gedanken machen, und im Wust von Medien und angesichts der täglichen Aufgeregtheit ist es vielleicht möglich, selbst zu interessanten Gedanken angeregt zu werden.

Den ersten Podcast haben wir vorgestern, am 29. Juli 2015, produziert. Wir üben noch, ich stelle mir vor, dass in den nächsten Wochen das alles mehr und mehr zum Gespräch wird, in dem wir die Anwesenheit des Aufnahmegerätes so gut wie vergessen. Der Anfang und der Schluss, wegen der Liebe von Franz-Josef Hanke zu den Bläck Fööss mit einem ihrer Lieder gestaltet, wird noch ausgebaut, ein Bild muss auch noch her. Ansonsten hoffen wir, möglichst gehaltvolles zu aktuellen Themen beitragen zu können.

Der Titel dieses Podcasts ist übrigens „Lagebesprech“, auch eine Wortschöpfung von Franz-Josef Hanke, der Wortspielereien mag. Es ist ein Alleinstellungsmerkmal, sagt er, und so eine echte Lagebesprechung halten wir ja auch nicht ab, und irgendwie eben auch doch. Versteht ihr das?

Wenn ihr es besser verstehen wollt, dann schaut doch mal auf unsere Seite und aboniert den Podcast. auf www.lagebesprech.de werdet ihr fündig. Falls es Probleme gibt, dies ist eine Weiterleitung auf diese Adresse.

Wir würden uns natürlich über möglichst viele Hörerinnen und Hörer und möglichst viele gute Kommentare freuen, auch über vorschläge, worüber ihr unsere Meinung hören wollt.

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Lagebesprech: Franz-Josef Hanke, Dr. Eckart Fuchs und ich starten neuen Podcast

Podcasts im klassischen Sinne kommen inzwischen aus der Mode, für die meist ruhigen, tiefsinnigen Gespräche, die Franz-Josef Hanke, Dr. Eckart Fuchs und ich alle zwei Wochen in unserer sogenannten Mittwochsrunde führen, ist ein Podcast aber genau richtig. Die Politik, im großen wie im kleinen, gesellschaftliche Entwicklung, Behinderung, technische Hilfsmittel, Bürgerrechte, Geschichte, aber auch persönliche Geschichten aus Vergangenheit und Gegenwart sind einige Themen unserer Gespräche. Alle zwei Wochen treffen wir uns, und in unregelmäßigen abständen erscheint dann unser Podcast unter dem Titel Lagebesprech. Was es mit dem Namen auf sich hat, können Sie auf der Seite selbst nachlesen. Wir würden uns natürlich über viele Abonentinnen und Abonenten freuen, aber auch über Feedback in freundlichem Ton.

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Bald sind wir wieder so weit

Bald sind wir wieder so weit:
Schon brennen Flüchtlingsheime, schon sammeln sich die Parteien der Rechten zur „Verteidigung unseres Vaterlandes“. Gewiss: Sie sind zerstritten, sie zerfleischen sich in AFD, Pegida, NPD und Alfa, doch zusammen, wenn einst ein Führer kommt, sind sie stark und schlagkräftig.

Bald sind wir wieder so weit:
Hass auf Ausländer, auf „Fremdrassige“, auf Menschen, deren Lebensweg bislang schon aus Verfolgung, Vertreibung, Angst und Tod bestand, wird bis in die Mitte der deutschen Wohlstandsgesellschaft gepflegt, denn „Wir mit unserem sauberen, geregelten Leben können uns ja auch nicht leisten, in ein Paradies unserer Wahl zu fliehen. Also sind wir doch die Armen, die Unterdrückten und die Bedauernswerten.“

Bald sind wir wieder so weit:
Die Rassisten und die Schlächter spüren Morgenluft. Die Politik weicht zurück vor ihrem Terror, wendet sich gegen die Armen und Verzweifelten, anstatt gegen die Brutalen und Terrorisierenden. Die Mörder sind verirrte, die Verfolgten ein Problem. Die Kanzlerin, mehr die Übermutti als die große Schwester, schweigt, bleibt hart, streichelt und schweigt.

Bald sind wir wieder so weit:
„Deutschland erwache!“ So schreien die Fanatiker auf Demonstrationen, bei Brandanschlägen und an Stammtischen, auch schon auf Parteitagen. Wer wegsehen kann, der sieht weg, man mischt sich lieber doch nicht ein, was hat man schon damit zu tun. Und: „Hat ein so starker Protest nicht auch irgendeinen wahren Kern?“

Bald sind wir wieder so weit:
Wer helfen will, wer Flüchtlinge verteidigt, wird von den Behörden verfolgt. Sie bereiten den Boden. Im Kampf gegen couragierte Linke machen die Schlächter mit den Regierenden schon jetzt gemeinsame Sache. Dem Herrn von Papen gleicht die Pfarrerstochter, beide öffnen Türen und versagen. Siesind Steigbügelhalter.

Bald sind wir wieder so weit:
Im Ausland bekommt man Angst, der Ruf der Nation schwindet, nichts ist geblieben vom gemäßigten, vom fortschrittlichen, friedlichen, der moral verpflichteten Deutschland, vom Deutschland, das aus den Fehlern lernte. Kurz war der Weg vom unschuldigen Nationalstolz der Fußballer zum hasserfüllten Nationalismus der braunen Gruppen. Schon haben Menschen, die hier immer schon lebten, deren Eltern kamen, um hier zu arbeiten, Angst vor der Zukunft, vor der Gewalt und der entmenschlichung. Wer schützt sie vor unserem Rassismus und unserem Herrenmenschentum? Wir alle haben „DAMIT“ doch nichts zu tun.

Bald sind wir wieder so weit:
Dann werden wir hinübergehen in die offene Herrschaft des Unrechts und der Gewalt. Dann werden die morschen Dämme brechen, dann wird sich, wie überall, das Wesen der Nation bahn brechen: Duckmäusertum und Obrigkeitshörigkeit. Und Sigmar Gabriel ist kein Otto Wels, und Gregor Gysi kein Ernst Thälmann.

Und wir, die wir standen und gafften, die wir schrieben und uns die Haare rauften, die wir demonstrierten und nicht einverstanden waren? Wir müssen erkennen: Nur der Aufruf zur Gewalt bringt die Menschen zum Handeln, nicht der flammende Appell an die Menschlichkeit. Wer sagt, dass sich Geschichte nicht wiederholt? Er hat geirrt, denn:

Bald sind wir wieder so weit!

Lest auch unbedingt Sascha Lobos Kolumne zur Flüchtlingshetze in sozialen Medien.

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Griechenland-Einigung ist beschämend für Deutschland

Habe ich es nicht befürchtet? Das griechische Referendum war nichts wert, und jetzt wird das Land gnadenlos und schamlos ausgebeutet und in die Knie gezwungen. Das Staatsvermögen wird privatisiert, und demokratische Entscheidungen werden unter den Vorbehalt der Zustimmung der brüsseler Bürokraten gestellt. Es ist eine monitäre Besetzung durch marktradikale Kräfte.

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Aus dem Spiegel über den Zorn der Zivilisierten: Deutschlands Neo-Nationalismus –

Sascha Lobo schrieb im Spiegel: „Die Stimmung im Netz ist vergiftet. Nun geht es mit Pickelhauben gegen die Griechen, mit Nazi-Slogans gegen Flüchtlinge. Die Politik biedert sich diesem Hass aufs Fremde an. Höchste Zeit für den Zorn der Zivilisierten!“ Recht hat er, denn er zeigt, wie der Hass auf Flüchtlinge und auf Griechen, sowie ein deutsches Überlegenheitsgefühl immer mehr um sich greifen. Und er belegt dies mit Meldungen, Zitaten und Blogbeiträgen. Ein unbedingt lesenswerter Artikel!

Quelle: Deutschlands Neo-Nationalismus – Lobo-Kolumne – SPIEGEL ONLINE

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